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cymbeline 2

Die Glocke
Premiere im Theater am Wall ein echtes Geschenk


Schon das Bühnenbild war echt krass und sah aus wie eine überdimensionierte Kartoffelkiste. Doch die hautengen Leggins, in denen Jan Maak sowohl als K&oouml;nig Cymbeline als auch als K&oouml;nigin auf die Bühnenbretter des Theater am Wall trat, waren schon echt kultverdächtig. Am Freitagabend gastierten „Shakespeare und Partner“ mit der Premiere der Shakespeare-Romanze „K&oouml;nig Cymbeline“ in der Emsstadt. Eigentlich für mehr als 20 Schauspieler gedacht, traten jedoch „nur“ fünf Akteure auf – ein stetiger Rollenwechsel war also garantiert. Und genau dieser gab dem Stück eine zusätzliche, urkomische Note. Deutlich wurde das nicht zuletzt bei den Dialogen zwischen K&oouml;nig und K&oouml;nigin, als Maak, indem er sein Gewand &oouml;ffnete und mit einem BH bekleidet vom Herrscher zu seiner Frau mutierte und voller Stolz seine beachtliche „Wampe“ im Rampenlicht präsentierte. Glänzend besetzt war mit Sebastian Bischoff die Rolle des Prinzen Cloten, der – weinerlich wie ein trotziges Kind – ein riesiges Schwert hinter sich herschleifte. Sowohl als Imogene als auch als Arzt Cornelius überzeugte schließlich „Shakespeare und Partner“-Neuzugang Birte Rüster. Die Begeisterung für die Schauspielerei und das Bühnenstück selbst waren der 28-Jährigen regelrecht anzusehen. Und dann war da noch Andreas Erfurth, der unter anderem als Lord in einem Bundeswehrschlafsack über die Bühne hoppelte, dass einem vor Lachen die Tränen kamen. Genau so soll Theater sein. Immer wieder gab es für die stark am Original orientierte Inszenierung von Jakob Fedler und Markus Weckesser wohlverdienten Szenenapplaus. Ein großes Lob ans Publikum, das zum Schluss des Stücks minutenlang begeistert applaudierte, gab es während der Premierenfeier von „Shakespeare und Partner“-Gründungsmitglied Norbert Kentrup: „Das war ein wunderbares Abenteuer.“

Allgemeine Zeitung
Nur nicht den Kopf verlieren

…Sebastian Bischoff, Andreas Erfurt, Jan Maak, Birte Rüster und Urs Stämpfli spielen nicht nur mehrere Rollen, sondern geben diesen auch einen unvergleichlichen Charakter. Alle fünf Schauspieler und alle einundzwanzig gespielten Charaktere genießen die uneingeschränkte Sympathie des Publikums. Zu Recht stehen diese skurrilen Charaktere in ihrer grotesken Geschichte im Vordergrund. Die Inszenierung zeichnet sich durch ein hohes Tempo aus. Hinzu kommen die Rollenwechsel und die verwicklungsreiche Geschichte des Stückes. Auch für die Profis ein zwei Stunden langer Kraftakt, den sie aber, im doppelten Sinne, spielerisch meistern. Während ihres Spiels reagieren die Profis sogar spontan auf Stimmen aus dem Publikum ohne danach den Faden zu verlieren. Den Inhalt von „K&oouml;nig Cymbeline“ in wenigen Worten wieder zu geben ist unm&oouml;glich. Kurz: Es geht um Liebe und Intrige, um Treue, um das Verloren gehen und wieder finden aber auch um Identität und das erwachsen werden. „K&oouml;nig Cymbeline“ ist eins von Shakespeares späteren Werken. Hier hat er behutsam Themenstränge aus seinen „Hits“ wie Romeo und Julia, Othello oder Heinrich VIII mit eingewoben - fast so, als wolle er sich selbst parodieren…Am Ende sitzen die fünf, die einundzwanzig spielen, nebeneinander. Die Liebenden haben sich wieder gefunden. Prinz Cloten hat seinen Kopf verloren und die R&oouml;mer den Krieg. Die K&oouml;nigin ist tot, dafür hat der K&oouml;nig seine entführten S&oouml;hne wieder und so weiter. Das Publikum pfeift und klatscht minutenlang im Rhythmus. Ein verdienter Lohn für die herausragenden Schauspieler und die hervorragende Inszenierung.